Trading-Betrug: Meine täglichen Erfahrungen, Monat November 2022

In diesem „Tagebuch“ veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Erlebnisse und Erfahrungen, die ich im Bereich Trading- und betrügerischen Onlinebrokern mache. Betroffene und Interessierte haben so die Möglichkeit, sich über Strukturen und Aspekte eines digitalen Kapitalanlagebetruges zu informieren.

Diese Notizen haben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit in technischer, juristischer oder sonstiger Hinsicht, sondern basieren allein auf meinen Erfahrungen in der täglichen Bearbeitung von Betrugsfällen.

44. KW 2022 – Auch bei betrügerischen Brokern läuft manches durcheinander

Bei der täglichen Bearbeitung von Trading-Betrugsfällen drängt sich manchmal der Eindruck auf, als wenn die betrügerischen Broker höchst professionell sind und der Anlagebetrug komplett durchorganisiert ist. Schön ist es dann immer wieder, wenn man Fehler oder Ungereimtheiten bei den Tätern bemerkt.

Heute schickte mir ein potentieller Mandant Unterlagen zu Lumina Group. Dieser unseriöse Broker hat die Webseite luminagroup.io. Als Ansprechpartner wird ein Herr Klaus Cork genannt. Soweit ist alles unauffällig. Bemerkenswert ist allerdings dann die E-Mail-Adresse von Herrn Klaus Cork. Jeder Teilnehmer im geschäftlichen Verkehr würde erwarten, dass die E-Mail-Adresse beispielsweise klaus.cork@luminagroup.io heißt. Teilweise erlebe ich auch Gmail-Adressen, was aber immer ein Zeichen von Unprofessionalität ist.

In diesem Fall hat aber Herr Klaus Cork die E-Mail-Adresse klaus.cork@tedex.cc. Dazu muss man wissen, dass Tedex ebenfalls ein Betrugsfall ist und offensichtlich die Betreiber der Internetseite tedex.cc gleichzeitig die weitere betrügerische Website luminagroup.io betreiben.

Dies bestätigt meine Beobachtung aus der jahrelangen Bearbeitung von Betrugsfällen: Das jeweilige Betrügernetzwerk mit Callcenter betreibt eine Vielzahl von Plattformen, die auch regelmäßig erweitert und ausgetauscht werden. Offensichtlich kommt die Einrichtung von E-Mail-Adressen da nicht hinterher. Auch Betrüger machen Fehler.

44. KW 2022 – Typische Drohungen beim Trading-Betrug

Wenn Kunden Auszahlungen wollen oder keine weiteren Einzahlungen leisten wollen, dann kommen Drohungen der betrügerischen Broker. Nachfolgend zwei solcher Drohungen, hier von dem unseriösen Broker GIS Capital:

Loggen Sie sich in Ihr Handelskonto ein, checken Sie Ihren Kontostand und melden Sie sich bei uns wie es damit weitergehen soll, wo wir Ihren Erlös auszahlen oder mit welchem Vermögenswert wir weiter traden sollen etc. Andernfalls wird Ihr Konto unwiderruflich eingefroren und Sie verlieren Ihr Geld, da Sie Ihr Konto lange Zeit nicht genutzt haben.

Ihr Geld bleibt auf der Plattform. Aber die Plattform wird die Kosten für dieses Konto nicht mehr übernehmen. Die Plattform zahlt nun für alle Dienste, die mit Ihrem Konto verbunden sind. Wenn wir keine förmliche Verzichtserklärung von Ihnen erhalten, werden wir einen Antrag beim Finanzamt stellen und Sie werden alle Steuern selbst zahlen

Drohungen von GIS Capital

Auf keinen Fall sollten Sie auf solche Forderungen reagieren, sondern sich anwaltlich beraten lassen.

44. KW 2022 – Auszahlungsvereinbarungen die nächste

Um Kunden zu weiteren Einzahlungen zu verleiten, werden von den Tätern immer wieder “Auszahlungsvereinbarungen” vorgelegt. Diese sehen auf den ersten Blick “gut” und “juristisch” aus, sind aber immer wertlos.

Nachfolgend habe ich eine solche Auszahlungsvereinbarung wiedergegeben:

Gefälschte Blockchain-Auszahlungsvereinbarung

In Stichworten, warum die Vereinbarung eine Fälschung ist (keine vollständige Aufzählung):

  • Die EZB (Europäische Zentralbank) hat mit Auszahlungen nicht zu tun.
  • Es kann auch nicht “einfach” ein Vertrag zu Lasten der EZB mit rechtlichen Verpflichtungen für die EZB vereinbart werden. Hier müsste die EZB als Vertragspartner mit einbezogen sein.
  • Warum soll für ein britisches Unternehmen Schweizer Recht anwendbar sein?
  • Auf der letzten Seite wird es dann kunterbunt: Es wird auf einen deutschen Notar verwiesen, ein Stempel der britischen Finanzaufsicht FCA gezeigt und das Ganze als öffentliche Urkunde der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet.

45. KW – Trading-Betrug: wie läuft der Betrug ab?

Nachfolgend zwei typische Schilderungen, wie Kunden von Trading-Betrügern abgezockt werden:

Die Seite Invest Ecapitals sah nach einem offiziellen Artikel der Tagesschau aus, in dem beschrieben wurde, dass das Unternehmen ihr Crypto-Trading verfahren bei der “Höhle der Löwen” vorgestellt hat und positive Bewertungen erhalten hätte. Leider habe ich erst im Nachhinein erkannt dass es sich um eine Phishing-Seite gehandelt hat, die inzwischen auch wieder gelöscht wurde.

Ich habe mich auf dieser Plattform angemeldet und wurde von einem “persönlichen Berater” durch den Anmeldeprozess begleitet. Dabei musste ich ein Konto bei invest-ecapitals und bei crypto.com erstellen. Anschließend musste ich das Startkapital von 250 EUR via PayPal überweisen.

In den folgenden Tagen wurde ich immer wieder telefonisch kontaktiert um mir zu zeigen wie mein Geld arbeitet. Als angekündigt wurde dass ich als nächstes meine Kontodaten telefonisch hinterlegen muss um Geld ausbezahlt zu bekommen, wurde ich misstrauisch.

Auf weitere Fragen zur Glaubwürdigkeit wurde der Kontakt unverschämt und meinte er bricht das Ganze jetzt ab und übergibt an die Kontoabteilung damit das Geld ausbezahlt wird. Seitdem ist die Telefonnummer nicht mehr gültig, der Kontakt ist verschwunden. Der einzige Kontakt der sich gemeldet hat sprach gebrochenes Deutsch und wollte mir etwas von 10.000 EUR erzählen.

Ich erhalte seit der Account-Erstellung Spam-Emails und Spam-Anrufe bezogen auf Crypto Trading. Ich kann den Account nicht löschen, da hierfür meine Bankkonto-Informationen benötigt werden, die man aber nur telefonisch über einen Berater ins System bekommt.

Für die Kontoerstellung musste ich meinen Personalausweis einscannen und auf das Portal hochladen. Ich befürchte dass es zu einem Identitätsdiebstahl kommen kann.

Echter Erfahrungsbericht mit Invest Ecapitals

Und ein 2. Fall:

Ich habe einen ständigen Kontakt mit Frau Schneider bei InvestPoint, über WhatsApp. Da ich keine Zeit zum Handeln hatte, wollte ich bereits Anfang August 2022 mein Konto auflösen. Schlussendlich sind wir gerade dabei, mit erheblicher Zeitverzögerung.

Als Kreditkartenversicherung habe ich 200,– € überwiesen. An die Bank Binance habe ich am nochmals 1.000,–€ überwiesen. Heute sollte nun das Konto bei der InvestPoint aufgelöst werden und alles an die Binance Bank überwiesen werden. Aber das Gegenteil war der Fall.

Die Einzahlungen bei der Binance Bank wurden an InvestPoint überwiesen. Um dem Ganzen die Krone auf zu setzten, wurde noch eine Überweisung von mir als Sicherheit abverlangt. Danach sagte mir Frau Schneider, sie müsste auf eine Freigabe von der Bank warten. Diese dauert noch an.

Auf meine WhatsApps hat sie nur zeitverzögert geantwortet und ein neuer Termin ist für den kommenden Mittwoch vereinbart. Geld habe ich nicht bekommen. Ich habe den kompletten WhatsApp verlauf und von meinen Konten eine Fotodokumentation erstellt.

Echter Erfahrungsbericht mit InvestPoint

45. KW – Mit allen Wassern gewaschen

Bei betrügerischen Brokern muss man als Betroffener wirklich mit allem rechnen. Gestern schilderte mir ein Betroffener, dass er eine E-Mail vom Servicecenter „Anwalt.de“ erhalten hat. Dazu muss man wissen, dass ich auf Anwalt.de diverse Rechtstipps zu betrügerischen Brokern veröffentlicht habe. Die Person nannte sich Melanie Smith und behauptete, Anwältin im Servicecenter von „Anwalt.de“ zu sein.

Weiter heißt es dann in der E-Mail:

Hier ist Anwältin von Service Center “Anwalt.de” Melanie Smith. Wir haben mit

Ihnen vor Kurzem gesprochen.

Sie haben nach Hilfe gesucht Ihr verlorenes wegen Handeln Geld zurück zu

erhalten. Unser Center bietet Ihnen Dienstleistungen von unseren Anwälte an,

um Ihnen zu helfen Ihr Geld zurück zu bekommen.

Hier ist unsere Webseite:

https://www.anwalt.de/rechtstipps/broker-zahlt-nicht-aus-wie-sie-ihr-geld-zurueck-erhalten_181736.html

Geben Sie bitte eine Antwort, ob es Sie noch interessiert.

Mfg

Center AnwaltDe

Gefälschte Mail, angeblich von anwalt.de

Natürlich ist dieser Hinweis und diese Anfrage ein erneuter Betrugsversuch. Es ist schon perfide, dass auf genau meine Webseite verwiesen wird, um einen neuen Betrugsversuch zu begehen.

Meinen Mandanten biete ich dazu immer an, jede Art von Kontaktversuchen und auch Dokumente, beispielsweise angebliche Auszahlungsgarantien, im Rahmen eines Mandats von mir prüfen zu lassen. So können sie als Betroffene und Betroffener ganz sicher sein, dass sie nicht erneut durch Anrufe, Kontaktaufnahmen oder Dokumente betrogen werden. Sie müssen bei den Tätern und bei betrügerischen Brokern wirklich mit allem rechnen.

46. KW – Was muss ein Anwalt bei Krypto-Betrug tun?

Für Betroffene ist es schwierig, den richtigen Anwalt zu finden, wenn man Opfer eines Krypto-Betruges geworden ist. Beispielsweise wirbt eine Kanzlei mit Beratungsleistungen bei einem Betrug durch den unseriösen Broker „BTC EU“. Bei BTC EU gibt es wohl Fälle, in denen zu Beginn der Geschäftsbeziehung auch tatsächlich Auszahlungen erfolgen. Dies schafft natürlich bei den Betroffenen und später Geschädigten Vertrauen. Weitere Einzahlungen und Investitionen folgen dann zumeist.

Fachanwalt IT-Recht richtiger Ansprechpartner

Wenn dann keine Auszahlungen der Gewinne oder der investierten Gelder erfolgen, benötigen Geschädigte professionelle Hilfe. Hier sind zum einen Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht aktiv.

Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade bei Online-Tradingbetrug und Krypto-Betrug allein die Kenntnisse der bankrechtlichen Vorschriften nicht ausreichend sind. Hier spielen häufig auch technische Aspekte eine wichtige Rolle, um investierte Gelder zurückzuholen. Daher empfehle ich in vielen Fällen einen Fachanwalt für IT-Recht. Dieser kennt dann sowohl die bankrechtlichen Vorschriften und Regelungen des Kapitalmarktrechts als auch die technischen Gegebenheiten.

Strafanzeige allein ist zu wenig

Nach meiner Auffassung genügt es nicht, eine Strafanzeige zu stellen und zu versuchen, über die beteiligten Banken und Finanzdienstleister die Transaktionen rückgängig zu machen. Nach meiner Erfahrung sind umfangreiche technische Recherchen notwendig, um der Täter habhaft zu werden.

Technische Ermittlungen notwendig

Im Rahmen meiner Beauftragung und Beratung im Falle eines Krypto-Betruges ist in der jeweiligen Honorarpauschale sowohl die juristische Tätigkeit als auch technische Ermittlungen enthalten. Dabei werde ich von Partnerunternehmen unterstützt, die beispielsweise mithilfe von Crypto Tracing Nachforschungen auf der Blockchain anstellen. Ziel ist es, auch den Weg des Geldes auf der Blockchain und damit die Wege der Kryptowährungen nachzuverfolgen.

Wenn Sie also überlegen, einen Anwalt unterstützend einzuschalten, sollten Sie im Vorfeld fragen, inwieweit in den jeweiligen Honoraren auch technische Ermittlungen enthalten sind und welche technischen Ermittlungen genau vorgenommen werden.

46. KW – Inkasso durch DB Inkasso GmbH & Co. KG für FCA

Ein Geschädigter eines Krypto-Betruges legt mir ein Schreiben der Firma DB Inkasso GmbH & Co. KG aus Würselen vor. Angeblich gibt es ein Inkassoverfahren wegen überfälliger Forderungen. Die Forderungen sollen von der FCA Financial Conduct Authority stammen. Angeblich handelt es sich um eine Forderung aus einem Dienstleistungsvertrag. Sogar eine Rechnungsnummer aus 2022 wird angegeben.

Spannend ist dann, wie die Bezahlung erfolgen soll. Es wird eine Forderung in Höhe von 4.792,90 Euro aufgemacht und behauptet. Dann wird dieser Betrag in Bitcoin umgerechnet und gleich eine Krypto-Wallet angegeben.

Das Schreiben sieht ziemlich „echt“ aus, ist aber dennoch eine Fälschung.

Inkasso durch DB Inkasso für FCA eine Fälschung

Vorsicht also vor Schreiben der DB Inkasso GmbH & Co. KG für einen angeblichen Ursprungsgläubiger FC Financial Conduct Authority. Diese Schreiben haben keine Rechtsgrundlage. Vermutlich ist auch dem Inkassobüro nicht bekannt, dass solche Schreiben in „ihrem Namen“ versandt werden.

Gefälschtes Schreiben DB Inkasso für FCA

46. KW – Strafanzeige geht verloren

Auch Strafanzeigen verschwinden auf dem Postweg. Dies passiert nicht häufig, zum Glück, kommt aber dennoch vor. Aktuell hatte das Landeskriminalamt eine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft Braunschweig übermittelt. Dort kam diese aber nicht an. Erst nach mehrmaligen Nachfragen konnte dann in Erfahrung gebracht werden, dass auf dem Postweg die Original-Strafanzeige verlorengegangen war. Dies ist besonders ärgerlich, weil durch solche Verluste auch Zeit für Ermittlungen verlorengeht.

46. KW – Ermittlungen auf der Blockchaine auch bei der Krypto-Währung Ethereum

Es werden mittlerweile von den Ermittlungsgruppen bei der Polizei, die sich mit Finanzermittlungen beschäftigen, nicht nur Untersuchungen auf der Blockchaine für Bitcoin unternommen, sondern u. a. auch für die Krypto-Währung Ethereum. Ziel ist es, die Täter bei Krypto-Betrug ausfindig zu machen. Im vorliegenden Fall konnte recherchiert werden, dass Auszahlungen über den Krypto-Exchanger Binance.com erfolgt sind. Dies ist dann immer ein weitergehender Ansatz, soweit für die Auszahlungskonten Personaldaten anzugeben waren.

46. KW – Nicht verifizierte Empfänger-Wallets

Es gibt bei den Krypto-Exchangern wie beispielsweise Binance sog. „Level 1-Wallets“, die mittlerweile eingestellt worden sind. Es existiert aber noch ein gewisser Restbestand. Diese Level 1-Wallets sind unverifizierte Wallets, sodass Täter zu einem Geldwäschedelikt oder einer Betrugstat nicht ermittelt werden können.

Es bleibt zu hoffen, dass die neuen gesetzlichen Regelungen, die auch auf EU-Ebene geplant sind, zu mehr Transparenz bei den Transaktionen auf der Blockchaine für die verschiedenen Krypto-Währungen führen.

46. KW – Lässt sich alles eindeutig nachvollziehen?

Interessant sind die folgenden Ausführungen aus einer Ermittlungsakte zu den Abwicklungen auf der Blockchain:

Allgemein lässt sich festhalten, dass im Zusammenhang mit Delikten, in welchen Krypto-Währungen zur Zahlungsabwicklung genutzt werden, regelmäßig Krypto-Wallets im Namen der Geschädigten bei unterschiedlichen Krypto-Exchangern, also Unternehmen, welche als Schnittstelle zwischen den klassischen Währungen und beispielsweise Bitcoin fungieren, eröffnet werden.

Wallet ist eine Art Konto

Umgangssprachlich lassen sich diese Wallets als eine Art Konto verstehen. Von den Wallets werden regelmäßig die eingezahlten Gelder, umgewandelt in die genutzte Krypto-Währung, auf Wallets der Täterschaft transferiert. Grundsätzlich lässt sich eine solche Transaktion anhand der Blockchaine verfolgen.

Da aber regelmäßig mehrere Transaktionen von verschiedenen Wallets zusammengefasst auf eine Art Geldwäschekonto, in der Regel ein oder mehrere Wallets, welche nur als Zwischenstation dienen, fließen, um von dort erneut aufgesplittet und über mehrere Schritte zum Täter-Wallet transferiert zu werden, ist es selbst bei Bekanntwerden einer Wallet, von welcher Gelder „ausgezahlt“ werden, schwierig nachzuweisen, dass der ursprüngliche Teil der Blockchaine letzten Endes dort verfügt wurde.

Transaktionen nachvollziehbar

Zwar lässt sich automatisiert nachvollziehen, von welchem Wallet an welches Wallet gezahlt wurde, da beim Empfänger aber wie erwähnt mehrere Teilzahlungen eingehen, um dort wieder aufgeteilt zu werden, lässt sich daraufhin lediglich die neue Transaktion belegen, ohne dass zugeordnet werden kann, welcher Teil des Zahlungseingangs in welchem Teil des folgenden Zahlungsausgangs liegt.

Rechtliche Zuordnung möglich?

Dieses Vorgehen lässt sich den Anlagen zu bekannten Wallets bereits entnehmen, wobei es sich hier lediglich um einen Bruchteil der gesamten Transaktionen handelt. Der volle Umfang lässt sich häufig nicht überblicken. Insoweit stellt sich die Frage, ob für zivilrechtliche oder strafrechtliche Maßnahmen die jeweilige Zuordnung ausreichend ist. Dies ist im Moment noch eine juristisch ungeklärte Frage.

Selbst in den Fällen, in welchen „unprofessioneller“ von den Tätern vorgegangen wird und ein Empfang der Wallet-Inhaber ermittelt werden kann, liegt häufig ein sog. „Finanzagent“ vor. Dies ist eine Person, die nicht zum engeren Kreis der Täter gehört, sondern deren Personalien und Identität für Geldtransaktionen missbraucht werden.

46. KW – Crime-as-a-Service

Aus einem kürzlich geführten Telefonat mit der Polizei wird bekannt, dass mittlerweile im Darknet auch Crime-as-a-Service angeboten wird. Es ist möglich, für kriminelle Aktivitäten ein Callcenter zu mieten. Solche Callcenter werden bei einem Krypto-Betrug für die Kundenakquise und die „Broker“-Tätigkeit genutzt. Auch ist es im Rahmen von Crime-as-a-Service möglich, eine Serverinfrastruktur zu mieten oder auch die Geldflüsse zu verschleiern. Auch hier zieht offensichtlich eine zunehmende Professionalisierung und ein Servicedenken ein.

Crime-as-a-Service wird daher vermutlich in den nächsten Monaten und Jahren ein wichtiges Stichwort werden.

46. KW – Gibt die Staatsanwaltschaft zunächst zu schnell auf?

Mir liegen wieder zwei Ermittlungsakten vor, in denen die Staatsanwaltschaft nicht weiter ermittelt und das Ermittlungsverfahren gem. § 170 Abs. 2 StPO eingestellt hat. In der Begründung wird ausgeführt, dass taugliche Ermittlungsansätze zur Identifizierung der Täter nicht vorhanden seien.

Hürde Rechtshilfeersuchen

Es folgen dann lange Ausführungen, warum Rechtshilfeersuchen im Ausland keine Aussicht auf Erfolg haben. Dies spielt den Tätern nach meiner Einschätzung nach wie vor sehr in die Hände. Wiederholt erlebe ich von verschiedenen Staatsanwaltschaften aus ganz Deutschland, dass auf Schwierigkeiten bei Rechtshilfeersuchen verwiesen wird.

Beispielsweise wird in einer anderen Ermittlungsakte ausgeführt, dass justizielle Rechtshilfeersuchen betreffend der Seychellen oder der Virgin Islands, wo Broker gerne ihren Geschäftssitz haben, keine Aussicht auf Erfolg haben. Es wird dann auch auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verwiesen, dass auch Ermittlungen gegen „Finanzagenten“ wenig erfolgversprechend sind und mangels Erfolgsaussichten die Stellung eines Rechtshilfeersuchens nicht erfolgen muss.

Akte zu

Das ist für die Polizei und Staatsanwaltschaft angenehm, weil dann die Akten schnell geschlossen werden können. Aus meiner Sicht ist dies aber darüber hinaus auch eine aktive Kriminalitätsförderung und eine Förderung des Krypto-Betruges.

Die Täter kennen die teilweise nicht intensiv geführten Ermittlungen und kennen auch die Probleme der Rechtshilfeersuchen. Wer also als Krypto-Betrüger nicht den Fehler macht, Kunden in dem Land übers Ohr zu hauen, in dem der Geschäftssitz ist oder Callcenter und Serverinfrastruktur betrieben werden, kann relativ entspannt seinem „Handwerk“ nachgehen.

Hier ist sowohl aus rechtlicher als auch aus politischer Sicht dringend Handlungsbedarf gegeben. Nur wenn auch die internationale Zusammenarbeit deutlich besser funktioniert, gibt es in der Zukunft realistische Ansätze, Krypto-Betrug zu unterbinden.

46. KW – Neuer Ermittlungserfolg

Die Bild-Zeitung und andere Medien berichtet, dass es gelungen ist, ein Callcenter von Krypto-Betrügern auszuheben. Hier gibt es einen kleinen Einblick, wie Krypto-Betrug in den praktischen Abläufen funktioniert.

Informationen und kleine Einblicke in das Krypto-Betrugsmilieu unter den nachfolgenden Links:

https://www.bild.de/geld/wirtschaft/wirtschaft/kryptowaehrung-bande-zockt-milliarden-ab-400-euro-pro-minute-81946460.bild.html

https://www.heise.de/news/Finanzen-Fake-Broker-verursachen-pro-Quartal-50-Millionen-Euro-Schaden-7339731.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag

46. KW – Krypto-Betrug über Telegram-Gruppe

Ich bekomme immer wieder Nachrichten von Geschädigten, die über Telegram-Gruppen in eine Betrugsfalle gelockt wurden. Hier eine authentische Schilderung eines Betroffenen:

Ich wurde vermutlich Opfer eines Cryptotradingbetrugs. Die Telegram-Gruppe heißt: MXC FX-PRO Austauschgruppe. Der persönliche Kontakt heißt „Agent Anthony“. Ich habe mit 500,- Euro angefangen und habe dadurch einen angeblichen Gewinn von 32.000,- Euro erzielt. Um den zu bekommen, sollten zunächst 4,100,- Euro eingezahlt werden, danach ein Mitgliedsbeitrag von 6.300,- Euro. Das ganze lief dann noch über die Handelsplattform bitxcryptotrading.com.

Betrug über Telegram-Gruppe

Seien Sie misstrauisch, wenn über Telegram-Gruppen die ultimativen Anlagetipps verbreitet werden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sich dabei um einen Trading-Betrug handelt.

47. KW – Wie kann ich mein Konto löschen?

Die Frage, wie kann ich mein Konto bei einem unseriösen oder betrügerischen Broker löschen, taucht in meiner täglichen Beratung zu Krypto-Betrug immer wieder auf. Beispielsweise wie in folgender Fallbeschreibung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe bisher nur die 250 € eingezahlt, die mir aber auch nach ein paar Tagen zurücküberwiesen wurden.

Auf einmal waren 36000 Dollar auf dem Konto……

Ich versuche seit 10 Tagen mein Konto zu löschen, erhalte aber auf meine Anfragen bei investecapitals, wie das geht, keine Antwort.

Können Sie mir sagen, wie ich das Konto löschen kann?

Leider reagieren Betrüger nach meiner Erfahrung nicht auf die Aufforderung, ein Konto zu löschen. Natürlich können Sie dies versuchen, ich befürchte aber, dass Sie dazu keine zielführende Antwort erhalten.

Wichtig ist, dass Sie keine Kopie ihres Personalausweises oder ihres Reisepasses an betrügerische Broker übermitteln. Diese Daten könnten ansonsten für einen Identitätsdiebstahl genutzt werden. In dem nachfolgenden Block-Beitrag habe ich einige Informationen zu der Gefahr eines Identitätsdiebstahl zusammengestellt.

47. KW – Immer neue Forderungen

Wenn Geschädigte eines Krypto-Betruges signalisieren, dass Sie kein weiteres Geld zahlen wollen, versuchen betrügerische Broker neuen Druck aufzubauen. ein typisches Schreiben in solchen Fällen hat häufig folgenden Text:

Sehr geehrte Frau XX, 

ich stelle Ihnen ein Ablehnungsschreiben für die Entschädigung zur Verfügung. Bitte füllen Sie alle Felder aus, damit Ihnen auf dieser Grundlage Ihr Mindesteinzahlung 

( 270€)  zurückerstattet wird.

Zunächst bitte ich Sie, der Firma 1000€ (die “ASSET Management in Hongkong” für den Kauf eines Zertifikats an “Law Firm Limited” überwiesen hat) zurückzugeben und ich bitte Sie, mir persönlich 1200€ zurückzuzahlen, den Betrag, der Ich habe von meinem persönlichen Krypto-Wallet überwiesen. Sie haben den Beweis. Es gibt Bestätigungs-E-Mails.

Mit freundlichen Grüßen Mathilda Spiegel 

Drohbrief eines Krypto-Betrügers

Und angehängt war ein solcher Formular:

ASSET MANAGEMENT IN HONG KONG 

Suite 2301, Two International Finance Center, 8 Finance St, Central Hong Kong.

Leiterin der Finanzabteilung 

Mathilda Spigel

Von: Vollständiger Name_________

Telefonnummer _______________

Aussage.

Ich lehne es ab, Gelder von ASSET MANAGEMENT IN HONG KONG abzuheben, nämlich eine Entschädigung in Höhe von

XX € ________ (Betrag in Worten).

Aus dem Grund (der Grund des Antragstellers ist ___________).

Ich bitte Sie, mein Geld zur freien Verwendung der Firma zu überweisen.

Datum, Unterschrift________________

Solche “Drohungen” sollten Sie ignorieren. Wenn Sie auch Drohschreiben von einem unseriösen Broker erhalten haben, können Sie mir diese gern zur Prüfung zusenden. Ich gebe Ihnen dann eine Rückmeldung, ob die Dokumente juristisch verwertbar sind.

47. KW – Warum Anydesk?

Heute stellte ein Betrugsopfer folgende Frage:

“… Jedoch kann die Auszahlung nur erfolgen, wenn ich über AnyDesk den Zugriff auf meinen Rechner erlauben würde. Dann will der Kollege mit mir gemeinsam die Transaktion auf mein NuRi Konto vornehmen. Diese Notwendigkeit sehe ich nicht, jedoch verstehe ich nicht, welcher Trick dahinter stecken könnte.”

Die Betrüger versuchen über Anydesk entweder einen unberechtigten Zugriff auf ihr Online-Banking zu nehmen oder Ihnen Schadsoftware auszuspielen.

Weitere Informationen finden Sie hier:

47. KW – Warnung der BaFin vor Hilfe bei Kontoeröffnung

Am 25.11.2022 veröffentlicht die BaFin folgende Warnung:

Kryptoverwahrer: Kein Konto mit Hilfe von Dritten eröffnen

Seien Sie vorsichtig, wenn Unbekannte Sie dabei unterstützen wollen, ein Konto bei einer Kryptobörse zu eröffnen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um Betrug.

Meist wollen diese Personen auf Ihre Rechner mit Fernwartungssoftware zugreifen. Das sollten Sie aber auf keinen Fall zulassen. Sobald diese Software auf dem Computer installiert ist, nutzen die Kriminellen diesen Zugriff, um Konten beziehungsweise E-Wallets in Ihrem Namen zu eröffnen und um damit unter anderen Kryptowährungen zu kaufen.

Die Aufsicht empfiehlt allen, die ein entsprechendes Hilfsangebot erhalten, sich keinesfalls darauf einzulassen und Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten. 

Warnung BaFin 25.11.2022 – https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Verbrauchermitteilung/weitere/2022/meldung_221125_warnung_kontoeroeffnung_kryptoboerse.html;jsessionid=AC08D106188CAB8E510009A70E12C8F8.2_cid502

48. KW – Betrug auch über ebay-Kleinanzeigen

Heute beschrieb ein Geschädigter, dass der Kontakt für den Trading-Betrug über eBay-Kleinanzeigen zustande kam. diesen Weg kannte ich bisher noch nicht. Offensichtlich nutzen die Betrüger alle Wege und Plattformen, um an Kunden zu kommen.

Der Geschädigte weist auch darauf hin, dass das Konto noch “aktiv” sei und überlegt, wie das Geld zu sichern ist. Leider wird Geschädigten von den Betrügern vorgespielt, dass Geld auf dem Handelskonto sei. In Wirklichkeit wird das Geld von den Tätern nicht angelegt und die Zahlen auf dem Handelskonto sind gefälscht und manipuliert.

Zwar ist der Wunsch nachvollziehbar, Gelder zu sichern. Da die Gelder aber nicht wirklich vorhanden sind, gibt es leider auch nichts zu sichern.

48. KW – Spiegeltransaktionen

Immer wieder schildern Opfer eines Trading-Betruges, dass im Zuge des Betruges sogenannte “Spiegeltransaktionen” gefordert worden sein. Beispielsweise schreibt ein Betroffener:

Ich habe ein Konto bei Vexxsel, mit welchem ich anscheinend grosse Gewinne gemacht habe. Nun möchte ich eine grössere Summe ausbezahlt bekommen.

Dafür musste ich Geld auf ein sogenanntes Sperrkonto überweisen. Mit einer „Spiegeltransaktion“ soll mir der Gewinn zusammen mit meinem einbezahlten Geld ausbezahlt werden.

Ich bin sehr unsicher, wie ich mich jetzt verhalten soll. Ich habe Angst dass das ganze einbezahlte Geld verloren geht.

Wenn Sie von Ihrem Ansprechpartner und Broker das Stichwort “Spiegeltransaktion” hören, müssen sie von einem Betrugsversuch ausgehen. Es gibt keine rechtliche Basis für eine solche Forderung.

Alles zum Thema “Spiegeltransaktionen” habe ich in dem nachfolgenden Blog Beitrag zusammengestellt:

https://www.recht-freundlich.de/trading-betrug/spiegeltransaktion-und-trading-betrug

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